Köln in der Nazi-Zeit - was ist in der Stadt davon noch zu sehen?

Dies ist eines der wenigen, noch heute sichtbaren Zeichen aus der Zeit des Nationalsozialismus - hier der Reichsadler von 1941 (das Hakenkreuz fehlt) am nördlichen Aufgang zur Rodenkirchener Brücke der Autobahn 4 in Poll.

Rodenkirchner Brücke (südlicher Teil, 1941eröffnet)
Rodenkirchner Brücke (südlicher Teil, 1941eröffnet)

Reichsadler (1941) - Rodenkirchener Brücke, nördlicher Aufgang in Poll

Diesen Reichsadler - es gibt auch einen auf der Südseite -  findet man in der Mitte des nördlichen Treppenaufgangs der Rodenkirchener Brücke, der ersten Autobahnbrücke über den Rhein in Poll.

 

Die Brücke (1938-41/1952-54/1990-94)

Die Brücke wurde von dem Bauingenieur Fritz Leonhard (1909-99) und dem Architekten Paul Bonatz (1877-1956) entworfen und im September 1941 als Teil der Reichsautobahn Köln-Aachen eröffnet.

Sie ist die erste echte Hängebrücke Deutschlands und die damals größte in Europa.

 

Im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde sie an gleicher Stelle in den Jahren 1952-54 wiederaufgebaut. Das stetig wachsende Verkehrsaufkommen machte Ende des letzten Jahrtausends eine Erweiterung notwendig, so dass auf der Nordseite in den Jahren 1990-94 ein fast identischer Zwillingsbau für die Verbreiterung der Autobahn von vier auf sechs Fahrstreifen entstand.

 

Der Reichsadler (1941)

Von den ursprünglich vier Reichsadlern an der damaligen "Adolf-Hitler-Brücke" sind wohl nur noch die zwei auf Poller Seite erhalten geblieben. Geschaffen wurden sie vom dem später umstrittenen Kölner Bildhauer Willy Meller (1887-1974) geschaffen.

 

Das Objekt befindet sich an dem mit Muschelkalk verkleideten Treppenaufgang.

Interessanterweise muss der komplette nördliche Treppenaufgang auf der rechten Rheinseite mit seiner originalen Verkleidung abgetragen und nach Abschluss der Erweiterungsarbeiten und der Fertigstellung des Brückenzwillings 1994 wieder nördlich angebracht worden sein.

 

Auf den ersten, schnellen Blick würde man der Reichsadler nicht direkt der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Köln zuordnen. Doch beim genaueren Hinsehen bemerkt der/die aufmerksam Betrachtende, dass das Hakenkreuz inmitten eines Siegeskranzes aus Eichenlaub während der Entnazifizierung herausgemeißelt wurde.  Zum Teil sind vor allem auf der linken Seite des Reliefs noch Reste des Eichenlaubes erkennbar.

 

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